#2 Hamburg

Malersaal, Schauspielhaus, St.Georg, 17.04. 2010

--- FOTOS siehe weiter unten ---

Das Stück handelt grob von der Getrifizierung St. Georgs. Es stellt anhand realer Begebenheiten eine performative Aneignungsform vor: Die Janetrifizierung. In diesem Modell wird Stadtpolitik mit unseren eigenen Phantasien absurd ausgekleidet. Auf diesem Weg versuchen wir darauf hinzuweisen, daß politische Prozesse nicht wahllos ablaufen, um so zur politischen Bewusstseinsbildung beizutragen. Dabei mit Geschlechterrollen spielerisch umzugehen ist ein wichtiges Element unserer Arbeit.
Im Einzelnen wirken Beschreibungen der Handlungen immer etwas konfus, da wir uns nicht an einen Erzählstrang halten sondern die Szenen revueartig lose hintereinander weg ablaufen lassen.

Die Performance beginnt schon vor dem Einlass wenn wir das Publikum aus der Schauspielhauskantine abholen. Wir mischen uns unter die Besucher und informieren sie, dass es gleich im Malersaal weitergeht. Da wir schon im Kostüm sind, gibt es eine bestimmte Erwartung im Verhalten, aber wir begrüßen unsere Freunde, mustern die Anwesenden, reden darüber wer gekommen ist und wer nicht.

Als Auftakt der Show singen wir im dunklen Bühnenraum „There’s a light“ aus der Rocky Horror Picture Show a capella. Wir stellen dadurch unterschiedliche Bezüge her: zum einen zum musicalartigen Charakter unserer Show, zum anderen zum Inhalt der Rocky Horror Picture Show, in der es u.a. um Identitätsentwürfe, polysexuelle Begierden und futuristische Phantasiewesen geht. Wir benennen uns allerdings bewusst nach den zwei Verlobten Janet und Brad, die durch Zufall in das „transylvanische“ Szenario geraten.

Anschließend stellen wir uns mit Namen vor und begrüßen offiziell das Publikum.
Während der nächsten 5 Szenen treten wir als Janetrifizierungs- Expertengruppe auf. Es ist uns wichtig von Anfang an zu zeigen, dass wir unsere eigene Welt erfinden, in der auch ästhetisch unsere eigenen Regeln gelten. Nach dem ersten Textblock, in dem in die Janetrifizierung eingeführt wird , erklären wir anhand eines Liedes unseren Umgang mit Genderthemen. Es heißt "kleine Schule der Pronomen" und erklärt spielerisch die gesellschaftliche Herstellung von Geschlechterrollen. Es endet mit einer sehr einfachen Choreographie, in der wir sinnbildlich die Chromosomen zum Tanzen bringen.

In der folgenden Szene werden Pilze als Bild für "veschlampende Ideen" verwendet. In diesem Textblock geht es unter anderem um den Morast, aus dem "gute Ideen wie Pilze aus dem Boden schießen" sollen. In einer Kegelsituation müssen die rollenden Pilze zerstampft werden, wenn man daneben tritt hat man eine gute Gelegenheit verpasst. Das Zerstampfen als Bild für die Umsetzung einer guten Idee versinnbildlicht die Idee der Dekonstruktion von vorhandenen Strukturen um Alternativen zu entwerfen.

Dann wird mit dem Wir- Ihr Spiel eine Szene mit Pubikumsbeschwörung eingestreut um die Verhältnisse im Raum klarzustellen.

Jetzt lädt Motel One endlich ein in den "Shared Space". Brad und Janet dürfen mit einziehen in das größte Motel One der BRD! Aber es kommt sofort zu Abgrenzungsschwierigkeiten. Die Symbiose wird als gescheitert erklärt und der Zusammenhang aufglöst- Umziehen auf der Bühne ist jetzt angesagt.

Janet erläutert als Indendantin der Elbzuvieharmonie ihr Erfolgskonzept "Draufsetzen statt Besetzen". Es werden Duschhauben ausgeteilt damit alle ihre persönlichen Elbzuvielharmonien ausprobieren können.

Es folgen 2 Lieder, in denen Bezüge und queere Positionen dargelegt werden. Janets Widersprüche als Intendantin der Elbzuvielharmonie mit queerer Freizeitidentät werden behandelt: wann ist man out und wann nicht, und wie vollzieht man seine queere Rolle ohne sich den Nacken zu verspannen?

Ohne weitere Erklärungen folgt hierauf das Diplomaten Ballett, eine Choreographie mit Mülleimerdeckeln; und eine Impression aus dem Band Proberaum. Anschließend scheitert im Ethical Sloth Plenum die Praxis des Nichts Tuns als künstlerische Ausdrucksform jenseits der Verwertungslogik. Das Publikum wird beinahe in die Problemlösung mit einbezogen. Zum Schluss gibt es ein schönes Lied zur Prozesshaftigkeit der eigenen Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten.